Symphonieorchester Vorarlberg
 
Viele schöne Momente – viel erreicht

Seit 2013 war der aus Salzburg stammende Kulturmanager Thomas Heißbauer Geschäftsführer des Symphonieorchester Vorarlberg. Er hat die positive wirtschaftliche und künstlerische Entwicklung des Orchesters in dieser Zeit maßgeblich geprägt. Ende September verlässt der 50-Jährige Vorarlberg und kehrt in seine Heimatstadt zurück, wo er neuer künstlerischer Leiter der Kulturvereinigung Salzburg wird. Wir haben ihn zum Interview getroffen:


Herr Heißbauer, Sie sind vor fünf Jahren als Geschäftsführer des Symphonieorchester Vorarlberg nach Bregenz gekommen. Welche Voraussetzungen haben Sie vorgefunden?
Ich habe ein Orchester übernommen, das sehr motiviert und engagiert am Podium gesessen ist. Die Spielfreude hat mich bei meinem ersten Konzertbesuch in Bregenz begeistert. Den Chefdirigenten kannte und schätzte ich aus gemeinsamen Salzburger Zeiten sehr.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Was haben Sie erreicht?

Im Organisatorischen wollte ich eine Professionalisierung vorantreiben, denn diese hielt zu der Zeit mit den künstlerischen Leistungen nicht mit – das Orchester hat bei meiner Vorstellung vor fünf Jahren im Turnsaal des Kolpinghaus geprobt und jeder Musiker musste seinen Notenständer selbst mitbringen. Jetzt finden die Proben in hervorragender Infrastruktur im Festspielhaus Bregenz und im Montforthaus Feldkirch statt. Ein weiteres Ziel war, das Orchester wieder bundesweit ins Bewusstsein zu rücken und in der österreichischen Orchesterlandschaft zu positionieren. Es war mir auch ein Anliegen, dass das Orchester mehr Produktionen spielt, da dies für das Zusammenspiel und die künstlerische Qualität vorteilhaft ist. So konnten wir den Abozyklus um ein Konzert auf sechs Termine erweitern und das Orchester spielt nunmehr mit bis zu 17 Produktionen fast doppelt so viele Konzerte als vorher.

Wie lassen Sie das Orchester nun zurück?
Im künstlerischen Bereich spielt das Orchester auf einem sehr guten Level, da muss man keinen Vergleich scheuen. Daran hat auch unser ehemaliger Chef- und nun Ehrendirigent Gérard Korsten einen wesentlichen Anteil. Im Management haben wir mit einer zusätzlichen Stelle ein künstlerisches Betriebsbüro aufgebaut und neben einer erstmaligen Installation einer Orchesterverwaltungssoftware wurde auch eine neue Ticket-Software implementiert, sodass nun neben der Aboverwaltung auch der gesamte Ticketverkauf über unser Büro läuft.

Gibt es etwas, auf das Sie besonders stolz sind?
Mich freut, dass wir den Spagat geschafft haben, einerseits die Finanzen zu konsolidieren und andererseits auch die Musikerhonorare um fast 20% anzuheben. Sehr dankbar bin ich auch für die hervorragende Zusammenarbeit mit den Bregenzer Festspielen, wo das Orchester in den letzten beiden Jahren jeweils vier Produktionen bei oder in Kooperation mit dem Festival bestritten hat. Auch das bedeutet eine Verdoppelung gegenüber der Vergangenheit. Besonders freuen mich auch die positiven Feedbacks zu unseren Schulpartnerschaften, die nun in die fünfte Saison gehen. Die Musikvermittlung an ein junges Publikum ist mir und auch dem Orchester sehr wichtig.

Was waren die Highlights?
Es gab viele beglückende Momente, viele schöne Konzerte. Ich habe mich immer gefreut, wenn wir mit dem Orchester auf Reisen gegangen sind, oder auch die Konzerte mit Kirill Petrenko werden mir in bester Erinnerung bleiben. Speziell und unvergesslich bleiben auch die beiden Abende, bei denen wir im Anschluss an die Konzerte zusammen mit unserem Publikum unseren 30. Geburtstag gefeiert haben und die Musiker sich nach und nach musizierend unter die Gäste gemischt haben. Das Orchester hat ein so treues Publikum, das wurde einem an diesen Abenden so richtig vor Augen geführt.

Die Stelle des Chefdirigenten ist nach dem Weggang von Gérard Korsten noch nicht nachbesetzt. Hätten Sie das noch gerne abgeschlossen?
Vorstand und Orchester haben eine klare Vorgehensweise definiert. Wir halten nichts davon, einen Chefdirigenten zu ernennen, der noch nie oder erst einmal mit dem Orchester zusammengearbeitet hat. In der anstehenden Saison stehen daher ganz bewusst Dirigenten am Pult des Orchesters, mit denen man in der Vergangenheit sehr gut zusammengearbeitet hat und die man gerne nochmals erleben möchte, um die „Chemie“ zwischen Dirigent und Orchester auszuloten. Spätestens im Frühjahr 2019 soll der neue Chefdirigent oder die -dirigentin ernannt werden. Gerne hätte ich diesen Prozess noch mitgestaltet, aber ich kann dem Wechsel in der Geschäftsführung während der Suche auch etwas Positives abgewinnen: so kann sich mein Nachfolger, Sebastian Hazod, in den Findungsprozess gut einbringen und wird nicht vor vollendete Tatsachen gestellt.

Welche Zukunftsprojekte haben Sie noch auf den Weg gebracht?
Neben der Konzeption der ersten drei Abonnementprogramme für die Saison 2019/20 konnte ich für die Saison 2020/21 gerade in den vergangenen Wochen noch eine sehr interessante Zusammenarbeit auf Schiene bringen: Für den Jänner 2020 gibt es konkrete Pläne für ein Neujahrskonzert im Ausland und vielleicht wird das Orchester auch in der Heimat ein Neujahrskonzert veranstalten. Konkrete Pläne gibt es auch wieder für Gastspiele in Italien. Im September 2018 beginnt mit dem BG Blumenstraße wieder eine neue Schulpartnerschaft.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger Sebastian Hazod mit auf den Weg? Welche Aufgaben stehen für ihn an?
In der anlaufenden Saison wird das Thema „Chefdirigentenkür“ bestimmend sein. Mit der Erstellung eines Sponsoringkonzeptes und der Neugestaltung der Mitgliedschaft beziehungsweise dem Aufbau eines Freundeskreises konnten bereits erste Erfolge erzielt werden. Neben dem Einstieg der UNIQA als Konzertsponsor ist es mir auch gelungen, eine Mäzenin für Unterstützung des Orchesters zu gewinnen. Die Akquise von Drittmitteln wird für die Zukunft eine interessante Aufgabe für Herrn Hazod sein, zumal er mit dem Symphonieorchester eine Institution leiten wird, die im Publikum großen Rückhalt hat und auch ein interessanter Partner für die Wirtschaft ist. Ein weiterer Punkt auf der To-Do-Liste wird die Überarbeitung und Neuaufstellung der Homepage des SOV sein.

Was hat Ihnen im Ländle besonders gut gefallen?
Land und Leute! Ich möchte mich bei den Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern sehr herzlich bedanken, weil ich mich von Anfang an gut aufgenommen gefühlt habe. Danke für die Treue und auch den Mut sowie die Neugierde unserer Konzertbesucherinnen und -besucher, bei den Programmen auch Unbekanntes und Neues zu hören. Natürlich ist auch die Landschaft mit dem See und den Bergen in Vorarlberg großartig – ich bedauere, dass ich zu wenig Zeit hatte, um das alles genießen zu können.

Was werden Sie am meisten vermissen?
Ganz klar: den Vorarlberger Dialekt! Auch wenn ich nicht immer alles verstanden habe …

Das Pendeln zwischen Salzburg und Vorarlberg fällt nun weg. Mehr Zeit wofür?
Ab Oktober fahre ich wieder mit dem Rad ins Büro, 20 Minuten statt viereinhalb Stunden mit dem Zug. Meine Familie hat viel Verständnis für mein Pendeln und die viele Abwesenheit gehabt, aber jetzt freuen sie sich sehr, dass ich in Zukunft wieder mehr zuhause sein werde. Eines meiner Hobbies, das in den letzten Jahren zu kurz gekommen ist, ist das Laufen. Das möchte ich wieder intensiver betreiben.

Bleiben Sie Vorarlberg nach Ihrem Weggang in irgendeiner Form verbunden?
Ich werde natürlich auch in Zukunft immer wieder mal die Konzerte des SOV besuchen. Außerdem bin ich die nächsten drei Jahre noch in der Kunstkommission des Landes und habe so auch die Vorarlberger Musikszene auf dem Radar. Und wenn das mit dem Lauftraining so klappt, wie ich mir das wünsche, dann werde ich vielleicht bei einem der kommenden Drei-Länder-Marathons mitlaufen, denn mein zehntes Marathon-Finish lässt noch auf sich warten …

Letzte Frage: Welche Aufgaben erwarten Sie als künstlerischer Leiter der Salzburger Kulturvereinigung?
Mit über 5.000 Abonnenten ist die Kulturvereinigung Salzburgs führender Konzertveranstalter. Ab 1. Oktober bin ich für die Programmierung von rund 50 Konzerten im Festspielhaus Salzburg verantwortlich. Neben dem in Salzburg beheimateten Mozarteumorchester treten bei diesen Veranstaltungen der Kulturvereinigung auch viele internationale Orchester auf. Ich bin dabei sowohl für die Engagements der Gastorchester als auch für die Werkauswahl, die Verpflichtung der Dirigenten und Solisten zuständig. Außerdem bin ich für die ebenfalls von der Salzburger Kulturvereinigung betriebene Georg-Trakl-Forschungs- und Gedenkstätte verantwortlich und das großartige Straßentheater, das in den Sommermonaten 40 Vorstellungen hat.



Manfred Schnetzer, Präsident des SOV, dankt Thomas Heißbauer im Namen des gesamten Orchesters ganz herzlich für sein herausragendes Engagement, für seine wertvollen Impulse und die umsichtige Planung. Für die Zukunft wünscht das Symphonieorchester Vorarlberg seinem scheidenden Geschäftsführer alles Gute.


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